Die Terrorismusfinanzierung stellt eine besonders komplexe und strategisch sensible Dimension der weltweiten Finanzkriminalität dar und unterscheidet sich durch ihre unmittelbaren und weitreichenden Auswirkungen auf die nationale Sicherheit, die geopolitische Stabilität sowie die Integrität des internationalen Finanzsystems. Während Geldwäsche in erster Linie darauf abzielt, die illegale Herkunft von Vermögenswerten zu verschleiern, verfolgt die Terrorismusfinanzierung ein gänzlich anderes Ziel: die Ermöglichung von Aktivitäten, die die grundlegenden Strukturen der Gesellschaft untergraben können. Diese Aktivitäten reichen von Rekrutierung und Ausbildung über operative Planung bis hin zur Durchführung gewaltsamer Anschläge oder sonstiger destabilisierender Handlungen. Die zentrale Herausforderung besteht darin, dass finanzielle Ströme, die mit terroristischen Netzwerken verbunden sind, häufig über scheinbar legitime Kanäle abgewickelt werden – oftmals in Form geringfügiger Transaktionen oder über Einrichtungen und Unternehmen, die auf den ersten Blick unauffällig erscheinen. Dadurch erweisen sich traditionelle Erkennungsmechanismen regelmäßig als unzureichend, sodass Leitungsorgane ein deutlich geschärftes Risikobewusstsein sowie eine strategisch vertiefte Betrachtungsweise entwickeln müssen, die weit über eine rein technische Compliance hinausgeht.
Vor dem Hintergrund strenger Sanktionsregime, internationaler Meldepflichten und sektorenübergreifender Aufsichtsrahmen wird von Organisationen erwartet, ein robustes, zukunftsorientiertes und verhältnismäßiges Compliance-System aufrechtzuerhalten, das nicht nur Transaktionen überwacht, sondern auch die zugrunde liegende Intention, den operativen Kontext und relevante Risikoindikatoren analysieren kann. Nationale und supranationale Behörden – darunter die Europäische Union, die Financial Action Task Force (FATF) und die Vereinten Nationen – verschärfen kontinuierlich die Anforderungen in Bezug auf Due-Diligence-Prozesse, Kontrollmaßnahmen und Meldepflichten. Für die Unternehmensführung bedeutet dies eine dauerhafte Weiterentwicklung der Governance-Strukturen, einen intensiven und konstruktiven Austausch mit Aufsichtsbehörden und Marktteilnehmern sowie unvermeidliche Investitionen in technologische Innovation, analytische Fähigkeiten und spezialisiertes Fachwissen. Nur durch die Implementierung eines multidimensionalen und vollständig integrierten Ansatzes können Führungsgremien wirksam zur frühzeitigen Identifizierung organisatorischer Schwachstellen beitragen und damit verhindern, dass finanzielle Mittel – unmittelbar oder mittelbar – der destruktiven Gewalt Vorschub leisten, die terroristische Gruppierungen in die Lage versetzt, ihre Aktivitäten fortzuführen.
Herkunft der Mittel (Source of Funds)
Die Herkunft der Mittel, die zur Terrorismusfinanzierung verwendet werden, ist äußerst vielfältig und komplex. Terroristische Gruppierungen nutzen sowohl legale als auch illegale Einnahmequellen, um ihre Aktivitäten zu finanzieren. Legale Quellen können aus Spenden von Sympathisanten, Zuwendungen philanthropischer Organisationen, Einnahmen aus kommerziellen Unternehmen und sogar Steuererhebungen in von ihnen kontrollierten Gebieten bestehen. Gleichzeitig werden kriminelle Aktivitäten wie Drogenhandel, Menschenhandel, Schmuggel, Erpressung und Korruption großflächig genutzt, um finanzielle Mittel zu generieren. Diese Mischung aus legalen und illegalen Finanzierungsströmen erschwert die Ermittlungen, da die Grenzen zwischen zulässigen und verbotenen Geldflüssen oft verschwimmen.
Die genaue Bestimmung der Herkunft der Mittel ist entscheidend für die effektive Bekämpfung der Terrorismusfinanzierung. Dies erfordert eine tiefgehende finanzforensische Analyse, bei der der Geldfluss über verschiedene Länder und Institutionen verfolgt und analysiert wird. Dabei werden auch Muster betrachtet, die von regulären Finanztransaktionen abweichen, wie ungewöhnliche Einzahlungen, häufige kleine Beträge oder Transaktionen über Länder mit schwacher Regulierung. Das Entwirren dieser Quellen ist essenziell, um nicht nur die direkten Geldströme zu stoppen, sondern auch das breitere Netzwerk, das diese Finanzierung unterstützt, offenzulegen und zu zerschlagen.
Terroristische Organisationen sind sich der Notwendigkeit bewusst, ihre finanziellen Aktivitäten zu verschleiern, und passen ihre Methoden ständig an, um der Entdeckung zu entgehen. Sie verwenden beispielsweise „Smurfing“, bei dem große Beträge in kleinere, weniger auffällige Transaktionen aufgeteilt werden, und nutzen häufig informelle und unregulierte Finanzsysteme. Zudem wird regelmäßig der Missbrauch legitimer Kanäle wie Spenden über Non-Profit-Organisationen oder die Gründung von Scheinfirmen betrieben. Dies erfordert eine permanente Innovation in den Ermittlungsmethoden und Kontrollmechanismen von Regierungen und Finanzinstituten, um diese getarnten Finanzierungsströme wirksam bekämpfen zu können.
Kanäle für Geldtransfers
Die Kanäle, über die Terroristen Geld transferieren, sind äußerst vielfältig und innovativ, nicht zuletzt durch technologische Entwicklungen und die Globalisierung. Traditionelle Banken bleiben ein wichtiges Instrument, doch es ist eine deutliche Verschiebung hin zu alternativen und weniger transparenten Methoden zu beobachten. Informelle Geldtransfersysteme wie Hawala oder Hundi werden häufig eingesetzt, da sie schnell und anonym sind und kaum formelle Dokumentation der Transaktionen vorliegt. Diese Systeme basieren auf Vertrauen und Netzwerken innerhalb bestimmter Gemeinschaften, was es für Ermittlungsbehörden sehr schwierig macht, Geldströme nachzuverfolgen.
Darüber hinaus gewinnen digitale Währungen, darunter Kryptowährungen, als Kanal für Terrorismusfinanzierung zunehmend an Bedeutung. Die pseudonyme Natur dieser Währungen ermöglicht es, Geld relativ unbemerkt über Grenzen hinweg zu transferieren und dabei traditionelle Banken und Kontrollsysteme zu umgehen. Obwohl einige Blockchain-Technologien Transparenz durch öffentliche Hauptbücher bieten, existieren verschiedene datenschutzorientierte Münzen und Techniken wie Mixing und Tumbling, die die Rückverfolgung von Herkunft und Ziel erschweren. Diese neuen Kanäle erfordern spezialisiertes Wissen und technische Werkzeuge, um verdächtige Transaktionen zu erkennen und zu untersuchen.
Neben diesen Kanälen bleiben auch physische Transportmittel nicht unberücksichtigt. Bargeld ist nach wie vor ein äußerst flexibles und schwer kontrollierbares Mittel, vor allem beim grenzüberschreitenden Transport. Terroristen nutzen Kuriere und versteckte Fächer in Fahrzeugen sowie teilweise Post- und Kurierdienste. Die Kombination aus traditionellen und modernen Kanälen macht die finanzielle Landschaft der Terrorismusfinanzierung besonders widerspenstig und komplex. Es bedarf eines multidimensionalen Ansatzes, bei dem Regulierung, Technologie und internationale Zusammenarbeit ineinandergreifen, um die Geldströme effektiv abzuschneiden.
Nutzung von Non-Profit-Organisationen und Wohltätigkeitsorganisationen
Non-Profit-Organisationen und Wohltätigkeitsorganisationen spielen eine zentrale Rolle im gesellschaftlichen Gefüge, werden jedoch auch häufig als Tarnung für die Weiterleitung finanzieller Mittel an terroristische Gruppierungen missbraucht. Aufgrund ihrer oftmals günstigen steuerlichen Stellung und der gesellschaftlichen Legitimität können solche Einrichtungen als Zwischeninstanzen für die Legitimierung von Mitteln mit fragwürdiger Herkunft fungieren. Diese Organisationen können auf unterschiedliche Weise genutzt werden, etwa durch die Überweisung scheinbar legitimer Spenden oder die Finanzierung von Aktivitäten, die auf den ersten Blick humanitär erscheinen, tatsächlich aber der Unterstützung von Terrorismus dienen.
Die Kontrolle dieses Sektors ist komplex, unter anderem aufgrund der großen Anzahl kleiner und lokaler Organisationen, die in vulnerablen Regionen aktiv sind. Oftmals fehlen strenge finanzielle Kontrollmechanismen und Transparenzanforderungen, was Missbrauch unbemerkt lassen kann. Gleichzeitig ist es entscheidend, den gesellschaftlichen Wert legitimer Hilfsleistungen zu wahren und nicht alle Non-Profit-Organisationen unter Verdacht zu stellen. Eine sorgfältige Risikoanalyse, kombiniert mit intensiver Überwachung und Zusammenarbeit mit den zuständigen Behörden, ist notwendig, um diese Dualität wirksam zu managen.
Darüber hinaus nutzen terroristische Netzwerke strategische Positionierungen innerhalb von Non-Profit-Organisationen, bei denen Mitarbeiter oder Vorstandsmitglieder direkte Verbindungen zu Terrorgruppen haben. Durch ihre Position können sie Einfluss auf die Mittelvergabe nehmen und sicherstellen, dass Finanzierung zielgerichtet eingesetzt wird. Die Aufdeckung solcher Infiltrationen erfordert umfangreiche Nachrichtendienstanstrengungen und tiefgehendes Verständnis der lokalen Kontexte und Organisationsstrukturen. Ohne dieses Wissen besteht weiterhin das Risiko, dass Non-Profit-Organisationen unbeabsichtigt zur Terrorismusfinanzierung beitragen.
Geografische Risikogebiete
Geografische Risikogebiete spielen eine herausragende Rolle in der Dynamik der Terrorismusfinanzierung. Länder und Regionen, die durch politische Instabilität, schwache Regierungsführung, mangelhafte Rechtsdurchsetzung und Korruption gekennzeichnet sind, bieten oft einen fruchtbaren Boden für die Entstehung und den Fortbestand finanzieller Netzwerke, die Terrorismus unterstützen. Diese Gebiete fungieren häufig als Transit- oder Herkunftsorte für Finanzmittel, aber auch als sichere Rückzugsorte, in denen terroristische Gruppierungen ungehindert operieren und Geld sammeln können. Das Fehlen effektiver Finanzregulierung und Überwachung in diesen Ländern erschwert es, verdächtige Transaktionen zu identifizieren und zu unterbinden.
Zudem können Sanktionen und internationale Beschränkungen die Finanzinfrastruktur dieser Länder zusätzlich unter Druck setzen, wodurch alternative, oft weniger transparente Kanäle für Geldverkehr entstehen. Manche Staaten oder Regionen fördern diesen Prozess sogar aktiv durch politische oder ideologische Unterstützung bestimmter Gruppierungen. Dies schafft einen komplexen geopolitischen Kontext, in dem widersprüchliche Interessen die Bekämpfung der Terrorismusfinanzierung erschweren. Ermittlungsbehörden müssen diese geografischen Kontexte bei Risikobewertungen und operativen Planungen berücksichtigen.
Die Kartierung geografischer Risikogebiete erfordert eine fortlaufende Analyse politischer Entwicklungen, Sicherheitsdynamiken und wirtschaftlicher Bedingungen. Dabei wird oft mit internationalen Organisationen und Nachrichtendiensten zusammengearbeitet, um aktuelle und relevante Informationen zu sammeln. Der Fokus liegt auf der Erkennung von Finanzrouten und Infrastrukturen, die aus diesen Risikogebieten operieren, um gezielte Interventionen zu ermöglichen, die den Fluss von Mitteln zu terroristischen Aktivitäten wirksam einschränken.
Finanzinstitute und Compliance
Finanzinstitute bilden die erste und oft wichtigste Verteidigungslinie im Kampf gegen Terrorismusfinanzierung. Banken, Zahlungsdienstleister, Versicherer und andere Finanzakteure stehen vor der enormen Herausforderung, verdächtige Transaktionen aus Millionen täglicher Geldflüsse herauszufiltern. Die Komplexität dieser Aufgabe wird durch die ständige Anpassung von Terroristen an neue Regeln und Kontrollmechanismen weiter erhöht. Compliance-Abteilungen innerhalb dieser Institute müssen daher nicht nur gesetzliche Vorgaben erfüllen, sondern auch proaktiv auf neue Trends und Techniken der Terrorismusfinanzierung reagieren. Dies erfordert einen integrierten Ansatz, bei dem fortschrittliche Datenanalysen, Risikomanagement und die Zusammenarbeit mit Ermittlungsbehörden Hand in Hand gehen.
Die Implementierung eines robusten Compliance-Programms umfasst unter anderem die Einführung von Systemen zur Transaktionsüberwachung, die abweichende Muster erkennen, die Schulung von Mitarbeitern zur Sensibilisierung für verdächtige Signale sowie die Erstellung detaillierter interner Protokolle für Meldung und Eskalation. Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Balance zwischen dem Schutz der Kundendaten und dem Informationsaustausch mit den Behörden. Finanzinstitute müssen eine Compliance-Kultur pflegen, in der Integrität und Transparenz im Mittelpunkt stehen, um Reputationsschäden und rechtliche Risiken durch Verstrickungen in Terrorismusfinanzierung zu vermeiden.
Darüber hinaus spielen externe Prüfungen und die Aufsicht durch Regulierungsbehörden eine unverzichtbare Rolle bei der Sicherstellung der Effektivität von Compliance-Maßnahmen. Institutionen wie Zentralbanken und Finanzaufsichtsbehörden führen regelmäßige Kontrollen durch, um zu beurteilen, ob die Institute internationalen Standards wie denen der Financial Action Task Force (FATF) entsprechen. Diese Kontrollen motivieren Finanzinstitute, kontinuierlich in technologische Innovationen und Prozessverbesserungen zu investieren. Gleichzeitig schaffen sie einheitliche Wettbewerbsbedingungen, bei denen Nachlässigkeit sanktioniert wird. Die fortwährende Weiterentwicklung von Gesetzen und Vorschriften verlangt einen dynamischen und zukunftsorientierten Compliance-Ansatz, der Terrorismusfinanzierung frühzeitig erkennt und effektiv bekämpft.
KYC (Know Your Customer) und Due Diligence
Das Prinzip Know Your Customer (KYC) bildet eine grundlegende Säule im Kampf gegen Terrorismusfinanzierung. Der Prozess der Identifizierung, Verifizierung und kontinuierlichen Überwachung von Kunden soll die Transparenz von Finanztransaktionen erhöhen und Missbrauchsrisiken minimieren. Effektive KYC-Richtlinien verpflichten Finanzinstitute, detaillierte Informationen über die Identität ihrer Kunden, deren wirtschaftlichen Hintergrund und die Art ihrer Geschäftstätigkeit zu erfassen. Zudem muss die Herkunft der Gelder geprüft werden, um zu verhindern, dass illegale Mittel ins Finanzsystem gelangen und verwendet werden.
KYC ist keine einmalige Prozedur, sondern ein fortlaufender Prozess, der dynamisch auf Änderungen im Risikoprofil des Kunden reagieren muss. Er erfordert regelmäßige Aktualisierungen und Neubewertungen, insbesondere wenn Transaktionen oder Kundenverhalten von üblichen Mustern abweichen. Diese Due-Diligence-Maßnahmen sind oft umfangreich und komplex, insbesondere bei Kunden mit erhöhtem Risiko, wie politisch exponierten Personen (PEPs), ausländischen Entitäten oder Kunden aus Risikogebieten. Die Qualität der KYC-Verfahren hat direkten Einfluss darauf, wie früh verdächtige Aktivitäten erkannt und angemessen reagiert werden kann.
Ein wichtiger Aspekt von KYC und Due Diligence ist die Integration fortschrittlicher Technologien wie Künstliche Intelligenz und Machine Learning, die bei der Analyse großer Datenmengen und der Erkennung von Anomalien unterstützen. Diese technischen Hilfsmittel steigern die Effizienz und Genauigkeit der Kundenüberwachung, können jedoch das menschliche Urteilsvermögen nie vollständig ersetzen. Die Kombination aus strenger Regulierung, technologischer Innovation und fachkundiger Analyse bildet das Fundament einer erfolgreichen KYC-Politik, die im zunehmend komplexen Finanzumfeld unverzichtbar ist, um Terrorismusfinanzierung entgegenzuwirken.
Sanktionen und Embargos
Sanktionen und Embargos sind wirksame Instrumente des Völkerrechts, um die Terrorismusfinanzierung zu bekämpfen. Diese Maßnahmen richten sich gegen Einzelpersonen, Organisationen, Staaten und Regionen, die an terroristischen Aktivitäten beteiligt sind oder diese unterstützen. Sanktionslisten werden von nationalen Regierungen, internationalen Organisationen wie den Vereinten Nationen und regionalen Kooperationsgremien erstellt und enthalten Namen von Personen und Organisationen, deren Vermögenswerte eingefroren oder denen Handelsverbote auferlegt werden. Durch diese Maßnahmen wird es den Betroffenen erschwert, Zugang zum Finanzsystem zu erhalten und so ihre Operationen zu finanzieren.
Die Durchsetzung von Sanktionen erfordert einen koordinierten Ansatz, bei dem Finanzinstitute, Zollbehörden, Strafverfolgungsorgane und internationale Partner zusammenarbeiten. Banken sind verpflichtet, Transaktionen mit sanktionierten Parteien unverzüglich zu blockieren und zu melden. Die Wirksamkeit von Sanktionen wird jedoch regelmäßig durch rechtliche und technische Hürden bedroht, wie die Nutzung von Scheinfirmen, Umwege über Dritte oder Länder, die Sanktionen bewusst ignorieren oder umgehen. Dies erfordert eine kontinuierliche Anpassung der Sanktionsregelungen und eine Verstärkung der Kontrollmechanismen.
Zudem spielt das Sanktrecht eine dynamische Rolle im weiteren Kontext der Terrorismusbekämpfung und internationalen Sicherheit. Sanktionen werden regelmäßig überprüft, ausgeweitet oder gelockert, abhängig von politischen Entwicklungen und Verhandlungen. Dies verlangt von Finanzinstituten und Aufsichtsbehörden ein hohes Maß an Wachsamkeit, um schnell auf Veränderungen reagieren zu können. Die juristische Komplexität von Sanktionen erfordert zudem fachkundige Interpretation, um legitimen Handel und Investitionen nicht unnötig zu behindern und gleichzeitig den Druck auf terroristische Netzwerke aufrechtzuerhalten.
Terroristische Netzwerke und Strukturen
Die Strukturen, innerhalb derer Terrorismusfinanzierung stattfindet, sind meist komplex und sorgfältig gestaltet, um eine Entdeckung und Zerschlagung zu erschweren. Terroristische Netzwerke nutzen geschichtete und weit verzweigte Organisationsstrukturen, darunter Tarnfirmen, Mittelsmänner und verbundene Unternehmen, die als scheinbar legitime Vehikel für Geldflüsse dienen. Diese Strukturen sind oft transnational, wobei verschiedene Rechtseinheiten in unterschiedlichen Jurisdiktionen zusammenarbeiten, um finanzielle Aktivitäten zu verschleiern und Risiken zu streuen. Das Aufdecken dieser Netzwerke erfordert tiefgehende Untersuchungen und eine Kombination aus finanzieller Analyse, Informationsbeschaffung und rechtlicher Expertise.
Tarnfirmen werden strategisch eingesetzt, um legitime Handelsaktivitäten zu simulieren, wobei Geldflüsse mit regulären Geschäftstransaktionen vermischt werden. Dies erschwert es den Ermittlungsbehörden, Herkunft und Ziel der Gelder zu bestimmen. Zudem werden häufig komplexe Eigentumsstrukturen und Trusts genutzt, um die tatsächlichen Begünstigten zu verbergen. Diese Methoden erfordern fortschrittliche Due Diligence und die Fähigkeit, grenzüberschreitende Verbindungen zwischen verschiedenen Einheiten und Transaktionen herzustellen.
Die ständige Anpassung terroristischer Organisationen an neue rechtliche und technologische Rahmenbedingungen hält ihre Netzwerke und Strukturen dynamisch. Sie sind in der Lage, schnell alternative Wege zu finden und neue Finanzinstrumente zu nutzen. Dies verlangt von Ermittlungsbehörden eine flexible und innovative Herangehensweise, bei der internationale Zusammenarbeit und Informationsaustausch unerlässlich sind. Nur durch diesen multidimensionalen und grenzüberschreitenden Ansatz können die tief verwurzelten Strukturen der Terrorismusfinanzierung wirksam zerschlagen werden.
Kryptowährungen und Anonymität
Der Aufstieg der Kryptowährungen hat dem Thema Terrorismusfinanzierung eine neue Dimension hinzugefügt. Digitale Währungen wie Bitcoin, Ethereum und zahlreiche Altcoins bieten Terroristen eine relativ anonyme und dezentralisierte Möglichkeit, Geld zu transferieren, losgelöst von traditionellen Finanzsystemen und Aufsichtsmechanismen. Diese Technologien nutzen die Blockchain, ein transparentes, jedoch pseudonymes Hauptbuchsystem, in dem Transaktionen erfasst werden, ohne direkte Verknüpfung zur Identität der Nutzer. Dies stellt Strafverfolgungsbehörden und Finanzinstitute vor große Herausforderungen, wenn sie illegale Geldströme nachverfolgen und blockieren wollen.
Die inhärenten Eigenschaften von Kryptowährungen – darunter das Fehlen eines zentralen Verwalters, grenzüberschreitende Zugänglichkeit und die Möglichkeit, sogenannte Privacy Coins zu verwenden – machen sie zu einem attraktiven Instrument für die Terrorismusfinanzierung. Terroristische Gruppierungen können auf diese Weise Gelder sammeln, speichern und transferieren, ohne dass Banken oder andere Finanzinstitute direkt involviert sind, was traditionelle AML- (Anti-Geldwäsche) und CTF-Maßnahmen (Bekämpfung der Terrorismusfinanzierung) weniger wirksam macht. Gleichzeitig erschweren die schnellen technologischen Entwicklungen die Aktualisierung und Wirksamkeit von Regulierung und Aufsicht.
Dennoch entstehen auch Möglichkeiten, Kryptowährungstransaktionen mithilfe fortschrittlicher Analysetechniken wie Blockchain-Analyse und Data Mining zu überwachen. Strafverfolgungsbehörden und Compliance-Experten entwickeln Werkzeuge, um Muster und verdächtige Aktivitäten in den enormen Datenmengen zu erkennen. Die Kombination aus technologischer Innovation und internationaler Zusammenarbeit ist entscheidend, um den Herausforderungen von Anonymität und Dezentralisierung zu begegnen. Nur durch einen integralen Ansatz kann die Bedrohung durch Terrorismusfinanzierung via Kryptowährungen effektiv eingedämmt werden.
Internationale Zusammenarbeit und Informationsaustausch
Die weltweite Natur der Terrorismusfinanzierung erfordert einen koordinierten internationalen Ansatz, bei dem der Informationsaustausch und die Zusammenarbeit zwischen Ländern und Institutionen im Mittelpunkt stehen. Terroristische Netzwerke operieren häufig grenzüberschreitend und nutzen Unterschiede in Gesetzgebung, Aufsicht und Strafverfolgung, um ihre Aktivitäten zu verschleiern und zu erleichtern. Der effiziente Austausch von Finanzinformationen, bewährten Verfahren und operativen Daten ist unerlässlich, um den Spielraum für Terrorismusfinanzierung zu verringern.
Internationale Organisationen wie die Financial Action Task Force (FATF), die Vereinten Nationen, Interpol und regionale Kooperationsverbände spielen eine unverzichtbare Rolle bei der Harmonisierung von Regulierungen, der Festlegung von Mindeststandards und der Ermöglichung des Informationsaustauschs. Zudem sind bilaterale und multilaterale Abkommen notwendig, um den rechtlichen Rahmen zu stärken und die grenzüberschreitende Strafverfolgung zu unterstützen. Finanzinformations-Einheiten (FIUs) bilden dabei das Zentrum für das Sammeln, Analysieren und Teilen von Verdachtsmeldungen zwischen den Mitgliedstaaten.
Die Effektivität der internationalen Zusammenarbeit wird jedoch regelmäßig durch politische Interessen, Unterschiede in den Kapazitäten und technologische Disparitäten zwischen Ländern erschwert. Der Aufbau von Vertrauen, die Gewährleistung von Datenschutz und die Schaffung von Transparenz sind daher grundlegend. Nur durch die Stärkung dieser Partnerschaften und Investitionen in gemeinsame Kapazitäten kann ein starkes Bündnis gegen die komplexe und dynamische Bedrohung der Terrorismusfinanzierung gebildet werden.

